Samstag, 7. Januar 2012

Unsere Gesellschaft missbraucht ihre Opfer - der Staat als Täter

  ...oder ist er zumindest mitverantwortlich.


Menschen die nicht in das Schema...
...unserer Gesellschaft passen werden eingesperrt, ausgewiesen, austherapiert, ausgegrenzt und weggeschlossen. Bei Kriminellen egal welcher Nationalität kann ich dafür noch Verständnis aufbringen. Was ist aber mit den Kindern die schlechte Startbedingungen im Leben haben? Die Chance, dass sie im Alter als verhaltenskreativ auffallen ist recht gross. Doch unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage solche Menschen mitzutragen. Sie werden mit Ritalin ruhig gestellt, in Therapien, Internate oder Heime gesteckt nur damit die das übrige alltägliche Leben möglichst problemlos funktioniert.

Institutionen sind oft wie Sekten...
...Welten mit ihren eigenen Gesetzen und Regeln. Egal ob es ein Erziehungsheim, eine psychiatrische Klink oder eine Strafanstalt, es sind in sich geschlossene Gemeinschaften. Der Vorteil für die Behörden, sie wissen ihre Problemfälle versorgt, betreut und überwacht. Da das Geld und der Wille solche Paralleluniversen von unabhängigen Stellen zu kontrollieren fehlt, fördert es die Möglichkeit, dass es darin zu Missbrauch kommen kann.

Wer nicht der Norm entspricht, hat...
...auch keinen Platz in der Gesellschaft. Solche Subjekte müssen möglichst rasch und kostengünstig aus der Öffentlichkeit verschwinden. Wer getreu dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn" handelt hat auch kein Interesse nachzufragen wie es dem Verdingbueb geht oder ob die ErzieherInnen die anvertrauten Kinder zur eigenen Befriedigung missbrauchen. Für mich ist es bei der wachsenden Zahl an Missbrauchsfällen die bekannt werden, nicht nachvollziehbar, dass die zuständigen Behörde von nichts gewusst haben wollen. Ist wirklich allen begründeten Verdachtsmomenten nachgegangen worden? Wurde wirklich immer im Wohle des Kindes und nicht aus Kostengründen entschieden? Ich bezweifle das!

Für gewisse Menschen in gewissen...
...Situationen kann ein Aufenthalt in einem Heim oder in einer Lebensgemeinschaft durchaus hilfreich sein. Ich stelle auch nicht alle solche Institutionen unter Generalverdacht. Wenn sich aber der Leiter sich bewusst jeder Kontrolle entzieht und die Menschen in seinem Haus immer härteren Regeln unterwirft die viele nicht einmal biblisch begründet werden können, dann ist das aus meiner Sicht nicht nur bedenklich sondern auch gefährlich. Mir sind persönlich einige Fälle bekannt bei denen junge Menschen im Namen Gottes missbraucht worden sind. Immer dort wo Menschen zu viel Macht erhalten, immer dort wo sie niemandem gegenüber verantwortlich sind oder sich den Kontrollen entziehen ist ein gesundes Mass an Vorsicht geboten. Das hat definitiv nichts mit Rebellion gegenüber Leiterschaft zu tun.

Viele Missbrauchsfälle in...
...Institutionen könnten verhindert werden, wenn unabhängige Anlauf- und Beratungsstellen vorgeschrieben wären.

Weitere Informationen - Diskussionen in den Kommentaren zu diesem Post. Nur um eventuellen Unterstellungen zu entkräften: Ich bin nicht gegen Gemeinschaften, Institutionen und Einrichtungen die Menschen in schwierigen Lebenssituationen helfen. Die Behörden leisten Heute sicher bessere Arbeit als zur Zeit der Verdingkinder. 

4 Kommentare:

tinu hat gesagt…

Ich kann diesen Ausbruch nicht nachvollziehen. Steckt ein konkreter Fall dahinter?

GRINGO hat gesagt…

Hallo Tinu. Ich habe mit etwa gegen 10 Betroffenen gesprochen und weiss aus eigener Erfahrung wie es in Gemeinschaften zu und her gehen kann.

Im weiteren habe ich das Buch über den organisierten, systematischen sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule gelesen (wie laut soll ich noch schreien).

Das hat mich zum Post veranlasst mit der Aussage bzw. Frage ob die Behörden lieber Ruhe haben und nicht nachfragen wo man es dringend sollte.

GRINGO hat gesagt…

Meine Antwort auf einen Kommentar im Facebook:

Der Grund für mein Post war das Buch "Wie laut soll ich denn noch schreien" von Jürgen Dehmers. Er beschreibt wie an dieser Vorzeigeschule der damalige Schulleiter und weitere Lehrpersonen über 100 Kinder missbrauchte.

Vor nicht langer Zeit wurden Kinder die dem Staat zur Last fielen verdingt. Jugendliche wurden z.T. auf behördliche Anweisung vorsorglich eingesperrt. In Irland wurden Mädchen oft in Magdalenenheimen versorgt, wenn sie ein uneheliches Kind geboren hatten oder sonst nicht in das Weltbild der irischen Gesellschaft passten. Ich kann die Aufzählung noch beliebig weiterführen. Ich übertreibe leider nicht.

Unsere Gesellschaft braucht Regeln damit sie funktioniert um so enger wir zusammenleben um so engere Regeln brauchen wir. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Wenn das Erstellen und Durchsetzen in den Händen von Einzelpersonen liegt entsteht dadurch ein grosser Raum für möglichen Missbrauch.

Die Mechanismen welche Gemeinschaften zusammenhalten lassen durchaus einen Vergleich zwischen Sekte und einer Gemeinschaft zu. Achtung, ich spreche nicht vom Inhalt sondern von den Regeln/Gesetzen welche den Alltag bestimmen. Den Vergleich mit der "Familie" habe ich entfernt obschon er in gewissen patriarchalisch geprägten durchaus verwendet werden könnte.

Der Staat hat die Verantwortung einzuschreiten, wenn Kinder oder Menschen gefährdet sind. Bei Pflegeeltern erhalten sie oft einen einen besseren Rahmen zur Entwicklung als in einer "nicht existierenden " Familie. Andere Möglichkeiten Menschen in Not zu helfen sind Institutionen - gegen sie habe ich überhaupt nichts einzuwenden.

Die Fürsorge und Sozialämter müssen einen Weg finden die am besten geeignete Unterstützung für ihre Klienten mit möglichst geringen Kosten für den Steuerzahler zu gewährleisten.

Für mich ist es bei der wachsenden Zahl an Missbrauchsfällen die bekannt werden, nicht nachvollziehbar, dass die zuständigen Behörde von nichts gewusst haben wollen. Ist wirklich allen begründeten Verdachtsmomenten nachgegangen worden? Wurde wirklich immer im Wohle des Kindes und nicht aus Kostengründen entschieden? Ich bezweifle das!

GRINGO hat gesagt…

Die Antwort welche ich im Facebook erhalten habe

Vielen Dank für deine Ausführungen. Die Missbräuche an der Odenwaldschule sind unglaublich tragisch, vorallem auch weil sie in einem sektenähnlichen System sehr systematisch, über lange Zeit und immer wieder passiert sind. Da hast du recht. Ich denke aber, dass diese Schule eine grosse Ausnahmeerscheinung ist (zum Glück). Die Geschichte mit den Verdingkindern ist dann doch etwas weit zurück um noch Schlüsse für die aktuelle Situation im Vormundschaftswesen ziehen zu können.

Grundsätzlich denke ich, dass es in dieser Thematik falsch ist anhand von Missbrauchsfällen ein Urteil zu fällen. Das Vormundschafts- und Sozialwesen ist sehr komplex und die Qualität der Betreuungsarbeit nur schwierig zu messen und zu überwachen. In diesem Sinn wirkt dein Post etwas einseitig.

Ob durch unabhängige Beratungs- und Anlaufstellen die Missbräuche verhindert werden können, muss leider stark bezweifelt werden: Es gibt sie bereits und sie sind bereits heute vorgeschrieben.